》Jedenfalls sind unsere Briefe sehr verschieden.《
》Ach《 protestierte Caroline, 》Charles schreibt schrecklich unordentlich; er läßt Worte aus, und andere streicht er wieder durch.《
》Ja, meine Gedanken folgen einander so schnell, dass ich gar nicht die Zeit habe, sie alle zu Papier zu bringen; deshalb werden die Empfänger auch selter klug aus meinen Briefen !《
》Ihre bescheidene Selbstkritik ist entwaffnend, Mr. Bingley《 warf Elisabeth ein.
Nichts könnte verkehrter sein, als einen Menschen nach seiner Bescheifenheit beurteilen zu wollen sagte Darcy, 》Im allgemeinen weist sie auf nichts anderes als auf mangelndes Selbstbewußtsein hin, und häufig ist sie bloß ein Prahlen mit umgekehrtem Vorzeichen.《
》Und zu welcher von beiden Gattungen zählst due mein bißschen Bescheidenheit ?《
》Zur Prahlerei. Du bildest dir mämlich in Wirklichkeit etwas ein auf dein unordentliches Geschreibsel, da du im stillen meinst, das rühre von dem schnellen Wechsel deiner Gedanken her, und da du im übrigen eine solche Flüchtigkeit für recht interessant hälst. Etwas schnell zu erledigen reizt immer mehr, als etwas in Ruhe zu vollenden. Als du heute morgen Mrs. Benett gegenüber behauptetest, du würdest Netherfield, wenn du erst dazu entschlossen wärst, innerhalb von 5 Minuten verlassen, da wolltest du dich damit einer löblichen Eigenschaft rühmen; aber was ist schon lobenswert an einer Hast, die notwendig, alles unerledigt lassen muss und die weder dir selbst noch sonst jemandem einen Vorteil bringt ?《
》Hör' auf !《 rief Bingley. 》Das ginge doch zu weit, wollte man sich an jedem Abend der törichten Dinge erinnern, die man am Morgen dahergeredet hat. Aber auf Ehre, ich meinte, was ich sagte, und ich meine es immer noch. Ich hab mit meiner Hast wirklich nicht lediglich geprahlt, um einen Eindruck auf die Damen zu machen.《
》Ich glaube dir schon, dass du meinst, was du sagst. Aber das überzeuge mich noch lange nicht, dass du tatsächlich so im Handumdrehen losziehen würdest, wie du angibst. Ich weiß, dass du dich dabei genau so von irgendeinem zufällig Ereignis leiten lassen würdest wie jeder andere Mensch. Wenn du schon auf dem Pferde säßest und ein Freund sagte zu dir : 'Bingley, bleib lieber noch eine Woche', dann würdest du höchstwahrscheinlich vom Pferd steigen und noch einen Monat bleiben.《
》In Ihren Augen ist es danach keine gute Eigenschaft, den Bitten eines Freundes ohne viel Fragen nachzugeben ?《
》Es spricht für keinen von beiden, wenn der eine dem anderen nachgibt, ohne zu wissen, warum er es tut.《
》Mir scheint, Mr. Darcy, Sie verstehen eine wahlhafte Freundschaft anders als ich. Wenn zwischen zwei Freunden eine wirkliche Zuneigung bestehet, dann wird der eine weiter Begründung zu warten. Ich spreche jetzt nicht von dem besonderen Fall, den Sie eben mit Bezug auf Mr. Bingley anführten. Da warten wir lieber, bis Umstände eintreten, an denen sich sien Verhalten oder so beweisen läßt. Aber galt allgemein, würden Sie schlecht von einem Menschen denken, der auf das Verlangen seines Freundes ein unwichtiges Vorhaben aufschiebtm ohne dass dazu viele Worte und Erörterungen notwendig sind ?《
》Bevor wir die Frage weiter verfolgen, wäre es vielleichter richtiger, uns über die Wichigkeit der Bitte und über den Grad der Freundschaft, der unser allgemeiner Fall haben soll, zu einigen.《
》Ja, eben !《 rief Bingley, 》und dazu noch über die Größe, den Umfang und wer weiß noch was der beiden Menschen; das spielt dabei mehr mit, als Sie denken mögen, Miss Benett. Ich kann Ihnen versichern, wenn Darcy nicht eine so lange Latte wäre im Vergleich zu mir, ich würde nicht halb soviel auf ihn hören. Bei gewissen Gelegenheiten und zu gewissen Zeiten kann man sich nichts Schreckliches vorstellen als Darcy; besonders in seinem eigenen Hause und an Sonntagabenden, wenn er nicht weiß, eas er anfangen soll.《
Mr. Darcy lächelte ; aber Elisabeth glaubte zu bemerken, dass er sich gekränkt fühlte, und unterdrückte daher ihr Lachen.
Posted by GIN :